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Entstehung des Musikverein Bernau- Auszüge aus unserer Chronik Drucken E-Mail
Geschrieben von: Claudia Maier   
27.02.2014

Lange war man davon ausgegangen, dass der Musikverein Bernau im Jahr 1875 gegründet wurde.

 

Nachdem aber handgeschriebene Musiknoten gefunden wurden, die zeigten, dass der Verein bereits schon im Jahre 1864 bestanden haben musste, wurde nach einer Prüfung durch das Landratsamt Waldshut, in der Generalversammlung 1985 beschlossen, als Gründungsjahr 1864 in die Statuten aufzunehmen. Dass diese Jahresangabe wichtig ist, beweist auch ein zwischenzeitlich aufgefundenes Schreiben des Großherzoglichen Bezirksamts St. Blasien vom 09. Februar 1865 „Die Gründung einer Musikgesellschaft in Bernau“.

 

Es ist davon auszugehen, dass in den ersten Jahren nach der Gründung nur ein mehr oder weniger freies Zusammenspiel verschiedener Musiker bei besonderen Veranstaltungen stattfand, ohne dass man auf ein geregeltes Vereinsleben schließen konnte.

 

Hinweise dafür, wer in den ersten Jahren musikalischer Leiter war, sind nicht vorhanden. 

 

1874 kehrte nach Abdankung des Militärdienstes Franz Xaver Spiegelhalder in die Heimat nach Bernau zurück. Er hatte als Regimentsmusiker beim 6. Badischen Infanterieregiment in Konstanz gedient.

 

Er versuchte nun das Musikleben in Bernau neu zu organisieren und durch seine Erfahrungen zu bereichern. Schon schnell fanden sich weitere Musiker und schon im Jahr 1875 konnte die „Musikgesellschaft Bernau“ in der neugegründeten Form erstmals öffentlich auftreten.

 

                          Die Gründungsmitglieder des MV Bernau

Diese sechs Gründungsmitglieder sind überliefert:

 

Von links nach rechts in der vorderen Reihe:

 

Ruppert Maier, später nach Freiburg verzogen
Franz Xaver Spiegelhalder,  Dirigent, Bernau- Riggenbach
Franz Köpfer, Bernau- Dorf

 

Hintere Reihe ebenfalls von links nach rechts:

 

Theodor Spiegelhalter, Bernau- Hof
Joseph Wasmer, Bernau- Hinterdorf
Theodor Wasmer, Bernau- Hinterdorf

 

Durch Fleiß und treues Zusammenhalten wurden die guten Leistungen dieser Musiker sehr beliebt und in der ganzen Umgebung bekannt, so dass bald fünf weitere Interessenten, nach Ablegung des Befähigungsnachweises, in die Musikgesellschaft aufgenommen wurden

 

Nachdem dann in den 80-iger Jahren weitere musikalisch ausgebildete Männer der Gesellschaft beitraten, mussten mehrere neue Instrumente, darunter auch ein Schlagzeug, angeschafft werden.

 

In Aufzeichnungen des Kriegervereins, mit dem die Musikgesellschaft eng verbunden war, ist belegt, dass dieser die Musikgesellschaft bei diesen Investitionen finanziell unterstützt hatte.

 

Damit war eine in allen Registern gut besetzte Kapelle mit einer Stärke von 18 Mann entstanden und Dirigent Spiegelhalder gelang es, die Musikgesellschaft in dieser Besetzung über mehrere Jahre hinweg zu erhalten.

 

1901 starb Gründer und Dirigent Franz Xaver Spiegelhalder am 10. August. Er wurde 50 Jahre alt. Atlhornist Arnold Bregger aus Bernau-Dorf übernahm den Dirigentenstab.

 

In den ersten 40 Jahre nach der Gründung wurden die internen Angelegenheiten des Musikvereins Bernau ohne schriftlich fixierte Grundlage geregelt. Es ist davon auszugehen, dass zumindest in den Anfangsjahren, als nur wenige Musiker die Gesamtkapelle bildeten, dringende Angelegenheiten in kurzen Beratungen und Besprechungen unter Zuziehung aller Mitglieder im Anschluss an Proben oder Auftritten stattfanden und die notwendigen Entscheidungen so getroffen wurden.

 

1905, gab es, nachdem die Anzahl der aktiven Musiker immer größer wurde, die erste Satzung, das „Statut des Musikvereins Bernau“, die vom Großherzoglichen Badischen Bezirksamt in St. Blasien am 21. Februar 1905 genehmigt wurde.

 

In den insgesamt 25 Paragraphen wurden insbesondere folgende Punkte geregelt:
Zweck des Vereins, Mitgliedschaft, Aufnahme und Austritte, Rechte und Pflichten der Vereinsmitglieder, Zusammensetzung, Wahl und Entscheidungsbefugnis der Vorstandschaft. Hier einige Auszüge aus den Statuten:

 

§ 3 : Aktives Mitglied kann werden: Wer einen guten Ruf besitzt, zum Blasen eines Musikinstrumentes fähig ist und nach erfolgter Prüfung die zur Musik erforderlichen Eigenschaften besitzt.

 

§11: Die aktiven Mitglieder verpflichten sich, jede Woche mindestens eine Probe, welche vom Vorstande oder Dirigenten auf einen bestimmten Tag anberaumt wird, zu besuchen. Wer dieser Probe unentschuldigt ausbleibt, hat eine Strafe von zwanzig Pfennig in die Vereinskasse zu entrichten.

 

§12: Bei allen Proben, Konzerten oder Ausflügen haben die Mitglieder dem Vorstande sowie dem Dirigenten vollen Gehorsam zu leisten und die Ehre und Achtung des Vereins in jeder Hinsicht zu bewahren.

 

§ 13: Mitglieder können vom Verein ausgeschlossen werden:

 

1). Wer den vom Vorstande oder Dirigenten anberaumten Proben dreimal nacheinander unentschuldigt oder ohne Grund ausbleibt.

2). Wer bei Konzerten oder Ausflügen sich gegen den §12 vergeht, oder gar dem Verein durch Streit, oder sonstige Zwistigkeiten, Unehre und Schande verursacht, wird sofort ausgeschlossen und kann als solches Mitglied niemals wieder in den Verein aufgenommen werden.

 

Diese Satzung hatte lange Bestand und diente auch im Jahre 1947 bei der Neugründung des Vereins nach dem 2. Weltkrieg als Grundlage.

 

 

Die beiden Bernauer Musikkapellen

 

Der Musikgesellschaft Bernau gehörten in den ersten Jahren nach der Gründung ausschließlich Mitglieder an, die in den Ortsteilen Bernau-Innertal wohnten. Später traten dann auch Musiker aus Bernau- Außertal (überwiegend vom Ortsteil Oberlehen) dem Verein bei.

 

1906 wurde dann die Musikgesellschaft Oberlehen, der spätere Musikverein Bernau- Außertal, ins Leben gerufen. Die damaligen Mitglieder des Musikvereins Bernau aus diesem Ortsteil schlossen sich der neugegründeten Kapelle an.

 

Denkt man an die Strapazen, die diese Männer wöchentlich durch den weiten Fußweg zu den Proben im Ortsteil Dorf auf sich nehmen mussten, ist dieser Schritt leicht zu verstehen. Es wird aber auch berichtet, dass vereinsinterne Querelen mit ein Grund für die Gründung der Musikgesellschaft Oberlehen waren.

 

Seit dieser Zeit existieren in Bernau zwei Musikkapellen, jedoch mit einem gewissermaßen erzwungenen Zusammenschluss 1935 (siehe die beiden Weltkriege).

 

Nach Ende des 2. Weltkrieges und nach der Neugründung der beiden Musikvereine gibt es in Bernau wieder 2 voneinander unabhängige Kapellen, was jedoch nicht bedeutet, dass es keine Gemeinsamkeiten gibt. Neben der Pflege der Blasmusik auf höchstem Niveau finden seit vielen Jahren gemeinsame Auftritte bei verschiedenen Anlässen statt.

 

 

Die beiden Weltkriege

 

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 wurden 18 Musiker zum Kriegsdienst einberufen, so dass die Aktivitäten des Vereins stark eingeschränkt werden musste.

 

Leider mussten 6 Mitglieder und Musikkameraden ihr Leben lassen:

 

Friedrich Köpfer, Heinrich Baur, Emil Gritsch, Adolf Maier, Oskar Volk, Heinrich Köpfer

 

Erst nach Ende des Krieges konnten die verbliebenen Musikanten wieder daran gehen, den Verein neu aufzubauen und zu beleben.

 

Im dritten Reich, nach 1933, wurde angeordnet, dass in kleineren Gemeinden gleichartige Vereine zusammenzuschließen sind. So kam es, dass am 7.März 1935 die sog. Ortsgruppen-Kapelle Bernau gegründet wurde.

 

Beide Musikvereine hatten eine Bilanz anzufertigen, die das Gesamtvermögen (Instrumente, Uniform, Noten, Kassenbestand. usw.) aufzeigte und brachten das gesamte Inventar in die P.O.-Kapelle ein.

 

Der Musikzug unterstand in erster Linie der Parteileitung der NSDAP, der Dirigent (zunächst Hauptlehrer Lauinger) trug den Titel Musikzugführer, der Vorstand wurde als organisatorischer Leiter bezeichnet.

 

Auffallend ist, dass diese neue Kapelle im Jahr 1935 nur 30 Mitglieder hatte, während ein Jahr zuvor noch von 23 Musikern alleine beim Musikverein Bernau berichtet wurde. Der erzwungene Zusammenschluss scheint viele Musiker der beiden früher selbstständigen Vereine zum Austritt bewogen zu haben. 

 

Mehr als 10 Jahren wurde dann gemeinsam musiziert. Der Verein war verpflichtet, bei allen nationalen Anlässen (Tag der Deutschen Polizei, Hitlergeburtstag, Tag der Machtübernahme usw.) anzutreten und teilzunehmen, musste aber die Mitwirkung bei kirchlichen Veranstaltungen genehmigen lassen.

 

Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges wurden viele Mitglieder in den Heeresdienst einberufen, andere waren schon vorher zum sog. Reichsarbeitsdienst (RAD) herangezogen worden. Die Folge war, dass Schwierigkeiten in der instrumentalen Besetzung auftraten, sogar Altdirigent Arnold Bregger, der das Dirigentenamt schon 1932 in andere Hände abgegeben hatte, musste aushelfen und den Posten über längere Zeiträume nochmals übernehmen. 

 

Es wird davon berichtet, dass Soldaten auf Heimaturlaub sich jeweils sofort zurückmeldeten, um bei jedem möglichen Anlass mit ihren Instrumenten anzutreten. Dies ist ein besonderer Beweis für die Verbundenheit zur Musik. 

 

Nicht alle kamen aus dem Krieg in die Heimat zurück. Folgende Kameraden mussten ihr Leben lassen:

 

Franz Baur, Oskar Baur, Fritz Köpfer, Oskar Klingele

 

m 12.01.1947 fand mit Genehmigung der französischen Besatzungsmacht eine Generalversammlung zur Neugründung des Musikvereins Bernau statt. Eine Übersetzung der Neufassung der Statuten musste der damaligen Besatzungsmacht in französischer Sprache zur Genehmigung vorgelegt werden.